Klartext gefällig?

Hl. Petrus mit Schlüssel (Statue vor dem Petersdom in Rom) steht nicht für ausgrenzend und homophob

Ausgrenzend und homophob

Wissen wir eigentlich genau, was die Katholische Kirche über Homosexualität sagt?

Ich kann kaum ein gewisses Unbehagen leugnen, das mich befällt, wenn ich mich mit der Haltung der Katholischen Kirche zur Homosexualität befasse. Obwohl ich mich längst sehr intensiv damit beschäftigt habe, kommen immer wieder einige Erinnerungen in mir hoch, die dieses Gefühl geradewegs wachzuhalten versuchen. Insofern möchte ich dieses Empfinden nicht unbeachtet lassen, kann es mir doch dabei helfen, meinen Blick noch mehr zu schärfen und andere zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der kirchlichen Lehrmeinung einzuladen.

Als ich noch in lesbischen Partnerschaften lebte, verspürte ich einerseits zwar eine große Sehnsucht, andererseits aber oft ein merkwürdiges Unwohlsein, wenn ich eine Kirche betrat oder gar zu einem Gottesdienst ging, was auch schon alleine deshalb nur selten vorkam. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch dadurch, dass ich manchmal „irgendwie blöd angeschaut“ wurde von anderen Kirchenbesuchern. Aber auch wenn überhaupt keine Leute in der Kirche waren, fühlte ich mich dennoch auf irgendeine Art und Weise von „der Kirche“ ausgeschlossen oder zumindest nicht dazugehörend. Es war ein bisschen so wie mit dem Hund vorm Metzgerladen:
„Wir müssen draußen bleiben!“

Dann war mir nie so ganz klar, was eigentlich der Herr Pfarrer so alles über mich denkt und wie er überhaupt zur Homosexualität steht. Am allerschlimmsten aber waren für mich diese „gut Katholischen“, die jeden Sonntag und vielleicht sogar auch noch während der Woche in die Kirche gerannt sind, und mich im Supermarkt oder auf der Straße entweder mit einem strafenden oder je nach Tagesform auch mal mitleidsvollen Blick gemustert hatten, obwohl diese vor ihrer eigenen Tür offenbar genug zu kehren gehabt hätten. Und dann gab es noch die Spezie der immereifrigen Superapostel, die mir fast gebetsmühlenartig Bibelstellen und kirchliche Lehrsätze vortrugen, und mich am liebsten gleich selbst exorziert hätten.

Ihnen allen unterstelle ich heute einen guten Willen. Aber das war nicht immer so. Ich unterlag nämlich einer großen Versuchung: Ich habe das Verhalten dieser Gläubigen mit der Haltung der Kirche gleichgesetzt. Das war ein Fehler. Ja, es ist wahr und leider auch traurig, dass mich diese Personen – bewusst oder unbewusst – verletzt und auch diskriminiert haben. Aber genau das lehnt die Katholische Kirche ab.

Jedoch anstatt mich zuerst einmal wirklich darüber zu informieren, was „die Kirche“ genau zum Thema Homosexualität sagt und lehrt, kategorisierte ich „die Kirche“ als diskriminierend, ausgrenzend und homophob. Für mich war das der viel bequemere Weg, konnte ich doch auf diese Weise mein Gewissen zumindest vorerst einmal zum Schweigen bringen. Noch dazu war diese Meinung deckungsgleich mit der Denkweise der meisten meiner Freunde und Bekannten aus der Homoszene. Und da mir obendrein „die Kirche“ als Feindbild zu unpersönlich war, musste ihr damaliger Oberster Hirte auf Erden, Papst Johannes Paul II. herhalten, den ich kurzerhand zum Erzfeind erhob. Als logische Konsequenz meines ganzen Irrweges folgte dann der Austritt aus der Katholischen Kirche. Aber das letzte Wort hat immer noch Gott und so nahm alles einen anderen Lauf…

Aufgrund dieser schmerzvollen Erfahrung möchte ich gerne alle dazu einladen und ermutigen, sich zumindest einmal mit den Kernaussagen der Katholischen Kirche zum Thema Homosexualität auseinanderzusetzen. Denn entgegen einer weitläufigen Meinung wird immer noch zwischen Sünde und Sünder unterschieden. So wird leider sehr oft übersehen, dass die Katholische Kirche sehr wohl zwischen dem bloßen Innehaben einer homosexuellen Neigung und dem Ausleben derselben, d.h. dem Praktizieren von homosexuellen Handlungen, unterscheidet. Kein homosexuell empfindender Mensch ist bloß aufgrund seiner Neigung ein Sünder, aber homosexuelle Handlungen stellen ein sündhaftes Verhalten dar und sind demnach nicht zu billigen. Deshalb ist jeder Homosexuelle zu einem Leben in Keuschheit gerufen. Darüber hinaus lehnt die Katholische Kirche eine diskriminierende Haltung gegenüber Homosexuellen ab und fordert alle Menschen zu einem respektvollen Umgang mit Betroffenen auf.

Ich möchte an dieser Stelle keineswegs die Fälle von Diskriminierungen homosexueller Menschen seitens verantwortlicher Amtsträger oder Mitglieder der Katholischen Kirche leugnen. Allerdings möchte ich betonen, dass möglicherweise einige Ursachen meiner „Gefühle des Ausgegrenztseins“ durch ein persönliches Gespräch hätten aufgeklärt werden können. So muss ich hier auch das Unterlassen meines eigenen Bemühens ehrlich zugeben. Wohlmöglich hätte ich auch beim Pfarrer hilfreiche Informationen erhalten können. Auch bei dem ein oder anderen Nachbarn hätte ich vielleicht ein wenig mehr Verständnis für meine Situation hervorrufen können, wenn ich auf ihn zugegangen wäre. Deshalb richtet sich mein Appell an alle:
Ein Blick in die Lehramtlichen Dokumente der Katholischen Kirche zum Thema Homosexualität kann dazu beitragen, Missverständnisse aufzuklären, Verletzungen zu vermeiden und von der Wahrheit Zeugnis zu geben.

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