Weg, Wahrheit, Leben

Wer seine homosexuelle Neigung als unerwünscht empfindet oder dabei zumindest ein gewisses Unbehagen verspürt, sehnt sich oft nach einer Abnahme seiner homosexuellen Gefühle und ist daher auch zur Veränderung seines persönlichen Lebensstiles bereit.

Aber nicht jeder homosexuelle Katholik empfindet seine Neigung von vorne herein als ungewollt, unerwünscht oder gar unbehaglich und viele Betroffene lehnen mitunter auch deshalb die Haltung der Katholischen Kirche ab.

Gott hat den Menschen aus und zur Liebe geschaffen, um ihn zu einem erfüllten Leben zu führen.
Der hier skizzierte Weg soll homosexuell empfindende Christen ermutigen, sich mit den entsprechenden Glaubensinhalten auseinanderzusetzen und ehrlich die eigene Lebenssituation zu hinterfragen, um sich in Freude und Freiheit auf Gottes Schöpfungsplan einlassen zu können.

Allgemeine Wegcharakteristik

Auch wenn die Lebensumstände jeweils unterschiedlich sind, lässt sich dennoch – unabhängig von der individuellen Situation des einzelnen – zunächst eine grundsätzliche Charakteristik dieses Weges erkennen, die für alle Betroffenen gleich ist und sich folgendermaßen beschreiben lässt:


1. Die Haltung der Kirche zur Homosexualität kennenlernen

Jeder gläubige Homosexuelle ist zunächst mit einem schmerzhaften Konflikt konfrontiert, denn die kirchliche Lehrmeinung beschreibt die homosexuelle Neigung als objektiv ungeordnet, wobei das Innehaben, d.h. nur das bloße Vorhandensein, einer homosexuellen Neigung in sich nicht sündhaft ist.

  • Der Katechismus der Katholischen Kirche, eine Art „Handbuch in Glaubensfragen“, legt jedoch dar, „dass homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung sind. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“
  • Wer in homosexuellen Partnerschaften lebt oder seine Neigung auf andere Weise praktiziert, ist gerufen, seinen Lebensstil zu ändern und ein abstinentes (keusches) Leben zu führen.

2. Die eigene Haltung zur Kirche hinterfragen

Jeder Homosexuelle, der in der Katholischen Kirche beheimatet ist und es auch bleiben möchte, muss früher oder später eine Entscheidung treffen.

Dazu wird aber nur derjenige bereit sein, der sich aus ganzem Herzen öffnet und Gottes Schöpfungsordnung in seinem Innersten zu erkennen wünscht.

Wer davon abgeleitet die Notwendigkeit einer abstinenten (keuschen) Lebensform zu entdecken wagt und zulässt, wird bald zu einer Entscheidung kommen und die erforderlichen Veränderungen herbeiführen können.


3. Ein Leben als Homosexueller in der Kirche wagen

Das Ziel besteht darin, durch eine innere Erneuerung zu einem erfüllten Leben als homosexuell empfindender Christ in der Gemeinschaft der Katholischen Kirche zu gelangen.

Somit geht es an dieser Stelle in erster Linie um die Heilung der persönlichen Gottesbeziehung und nicht vorrangig um die Veränderung der homosexuellen Neigung, die zwar sehr wohl durch diesen Weg vorbereitet, aber letztendlich immer nur durch Gottes Gnade gewirkt werden kann.

Persönlicher Wegverlauf

In Anlehnung an diese für alle Betroffenen gleiche Wegcharakteristik ergibt sich nun ein von Person zu Person verschiedener, persönlicher Wegverlauf.
Die einzelnen Wegetappen hängen demnach in Inhalt, Art und Umfang immer von der individuellen Situation des Betroffenen ab.
Der gesamte Weg lässt sich dabei in drei Wegetappen einteilen:

  • Genau hinsehen

    1. Etappe

  • Entscheiden

    2. Etappe

  • Verändern

    3. Etappe

Die Etappen dienen dazu, die eigene Situation ehrlich zu hinterfragen und verschüttete Sehnsüchte aufzudecken, um anschließend eine Entscheidung treffen zu können und diese dann mutig und entschlossen umzusetzen.

Vorab zur Orientierung

Bevor es losgeht und die einzelnen Etappen im Detail beschrieben werden, sind vorab folgende Informationen für einen guten Start hilfreich:

Wegbegleitung

Die Prozesse des Erkennens, Entscheidens und Veränderns betreffen im Grunde alle Lebensbereiche des Betroffenen. Das damit verbundene Loslassen ist deshalb oft sehr schmerzlich und kraftaufwendig. Es ist daher äußerst wichtig, diesen Weg nicht alleine zu gehen, sondern sich helfen zu lassen.

Allerdings kann unter Umständen jeder noch so gut gemeinte Rat von Freunden und Angehörigen für das Vorankommen in den einzelnen Etappen mehr hinderlich als förderlich sein, da diese Personen unmittelbar betroffen sind. Eine gute Begleitung ist demnach eher von außenstehenden, d.h. nicht direkt betroffenen Personen, wie Seelsorgern, Psychologen, Medizinern oder sonstigen Vertrauenspersonen, anzustreben.

Nicht minder wichtig ist die Begleitung durch das fürbittende Gebet anderer. Auch wenn der Betroffene getrost andere um ihr Gebet bitten darf und sollte, ist ihm das möglicherweise im direkten familiären und sozialen Umfeld nicht möglich oder zunächst ein wenig unangenehm. Dies stellt aber kein Hindernis dar, denn die Katholische Kirche hat insbesondere die sogenannten kontemplativen Orden mit dieser Aufgabe betraut. Es ist deshalb sehr ratsam, dass der Betroffene gleich zu Beginn des Weges bei einer Klostergemeinschaft um deren Begleitung im Gebet bittet.

Die Autorin dieser Website hat diesen Weg selbst sehr intensiv durchlebt und beschritten und steht bei Fragen oder Unklarheiten gerne als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Wegzehrung

Für jeden längeren Weg sind Kraft und Durchhaltevermögen notwendig. Deshalb sollte für ausreichend Proviant gesorgt werden. Die wichtigste Versorgungsstelle ist dabei immer Gott selbst. Um reichlich aus dieser Quelle schöpfen zu können, stehen dem Betroffenen verschiedene Schöpfgefäße zur Verfügung.

Dazu gehören vor allem das regelmäßige, persönliche Gebet und der Besuch der Heiligen Messe. Ein täglicher Blick in die Bibel macht trittsicher und sorgt auch über Durststrecken hinweg für Ausdauer.

Die Aussprache mit einem Seelsorger kann dabei helfen, den jeweils nächsten Schritt zu sehen und auf dem rechten Weg zu bleiben.

Im Sakrament der Versöhnung (Beichte) kann man durch die unmittelbare Begegnung mit der heilenden und vergebenden Liebe Gottes den oft allzu schweren „Rucksack der Vergangenheit“ los werden, um dann erleichtert und befreit weitergehen zu können.

Grundsätzlich dient alles als Wegzehrung, was dazu hilft, sich auf die Freundschaft mit Gott einzulassen, diese liebevoll zu pflegen und zu intensivieren.

Wegführung

Ein kleiner Fragenkatalog dient in den ersten beiden Etappen als Orientierungshilfe für den Betroffenen, um die momentane Lebenssituation wahrzunehmen und daraus resultierende Schritte auf dem persönlichen Lebensweg zu erkennen.

Auch wenn die Fragen zunächst eher allgemein gehalten wirken, so basieren sie dennoch auf konkreten Erfahrungen der Autorin. Für die Beantwortung sind ein genaues Hinsehen, ein bewusstes Hören auf die innere Stimme und vor allem Aufrichtigkeit erforderlich.

Es geht nicht darum, diesen Fragenkatalog möglichst vollständig und schnell in der Hektik des Alltags zu beantworten, sondern vom Betroffenen selbst und wenn möglich in einer eher ungestörten Umgebung zu bearbeiten.

Die ein oder andere Frage muss dabei vielleicht erst einmal zurückgestellt werden und kann erst nach einem intensiveren Nachdenkprozess beantwortet werden. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den Fragen, bei der einzelne Aspekte immer wieder neu betrachtet und berücksichtigt werden müssen, ist eher über einen längeren Zeitraum sinnvoll.

Deshalb ist es empfehlenswert, sich bei der Beantwortung der Fragen Notizen zu machen oder auf andere Weise seine Gedanken festzuhalten. Auch können Tagebucheinträge dabei helfen, vergangene Momente wieder lebhafter in Erinnerung zu rufen.

Die einzelnen Etappen

1. Genau hinsehen

Anhand folgender Fragen kann der Betroffene spüren, ob in ihm überhaupt der Wunsch und die grundsätzliche Bereitschaft vorhanden sind, eine Änderung des Lebensstils ins Auge zu fassen.

  1. Was gehört für mich zu einem „erfüllten Leben“? (bitte mindestens drei konkrete Kriterien nennen)
  2. Wie definiere ich „glücklich sein“?
  3. Bin ich innerlich unruhig und irgendwie ständig auf der Suche, ohne genau zu wissen nach was?
  4. Bin ich mit jemandem oder einem Erlebnis aus meiner Vergangenheit (noch) unversöhnt?
  5. Wovor bzw. vor wem habe ich Angst?
  6. Interessiert es mich, warum ich homosexuell (geworden) bin?
    1. Wenn nein, warum nicht?
  7. Wie lebe ich meine homosexuelle Neigung aus, in einer Partnerschaft oder ohne feste Beziehung?
    1. Warum habe ich gerade diese Lebensform gewählt?
    2. Fühle ich mich wohl dabei?
    3. Bin ich zufrieden damit?
  8. Spüre ich zuweilen, dass mich das Ausleben meiner Homosexualität (egal in welcher Form) weder erfüllt noch glücklich macht? Wenn ja:
    1. Was stört mich?
    2. Was hindert mich?
    3. Was fehlt mir?
    4. Was würde ich gerne ändern?
  9. Fehlt mir manchmal ein andersgeschlechtlicher Partner?
    1. Wenn ja, in welchen Situationen konkret (Bereiche des Alltags, Sexualleben, etc.)?
    2. Was könnten Gründe dafür sein?
  10. Frage ich mich zuweilen, warum mich weder feste homosexuelle Partnerschaften noch flüchtige homosexuelle Bekanntschaften erfüllen bzw. jemals auf Dauer erfüllt haben?
  11. Was ist meine größte Sehnsucht? (bitte in einem einzigen Satz formulieren)
  12. Führe ich – laut meiner Definition aus Pkt. 1 und 2 – ein „erfülltes und glückliches Leben“?

2. Entscheiden

So unterschiedlich die betroffenen Personen sind, so verschieden sind auch die Situationen und das Umfeld, in denen sie leben. Alle Gegebenheiten zu erfassen, die bei einer Entscheidung zum Tragen kommen könnten, ist deshalb hier nicht möglich. Jedoch gibt es auch in dieser Wegetappe einige grundlegende Fragen, die dem Betroffenen bei der Entscheidungsfindung helfen können.

  1. Habe ich Sehnsucht nach Gott?
  2. Habe ich Sehnsucht danach, meinen Glauben als Mitglied der Kirche zu leben?
  3. Habe ich Sehnsucht nach den Sakramenten der Kirche (Eucharistie, Versöhnung (Beichte))?
  4. Glaube ich, dass die Bibel Gottes Wort enthält?
  5. Bin ich bereit, Gottes Wort und damit auch Seine Gebote anzunehmen und danach zu leben?
  6. Will ich ein Mitglied der Kirche sein?
  7. Bin ich bereit, die Lehre der Kirche, insbesondere zur Homosexualität, als verbindlich anzunehmen und danach zu leben, auch wenn ich vielleicht nicht mit allem einverstanden bin bzw. (noch) nicht alles verstehe?

Von der Beantwortung dieser Fragen leitet sich nun alles weitere ab:

  • Wer alle Fragen mit Ja beantworten konnte, hat prinzipiell eine Änderungsbereitschaft und kann sich frohen Mutes auf die Etappe der Veränderung machen.
  • Wer eine oder mehrere dieser Fragen mit Nein beantwortet hat, möge jetzt bitte nicht gleich den Browser schließen und mutlos aufgeben, nur weil noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind, um bereits die dritte und letzte Etappe zu beginnen. Denn gerade dann ist es notwendig, sich immer wieder aufs Neue und noch intensiver mit den Fragen zu beschäftigen. Dabei kann es durchaus von Nöten sein, sich für diesen Erkenntnisprozess von erfahrenen Personen helfen zu lassen, um nach und nach Ursachen zu erforschen und Widerstände aufzulösen.

 

Im Anschluss an die Beantwortung des obigen Fragenkatalogs geht es darum, alle notwendigen Entscheidungen zu treffen, um die Veränderung des bisherigen Lebensstiles herbeizuführen.

Erfahrungsgemäß treten an dieser Wegstelle immer wieder große „Stimmungsschwankungen“ und Zweifel auf, da es um eine sehr grundlegende Änderung des eigenen Lebens geht. Das ist verständlich. Um aber nicht gleich bei der ersten Unannehmlichkeit alles wieder in Frage zu stellen oder sogar ganz aufzugeben, ist es unerlässlich, seine Entscheidungen zwar wohlbedacht, aber mit großer Entschlossenheit zu treffen.

3. Verändern

Sobald der Betroffene Klarheit über seine Situation erhalten und alle notwendigen Entscheidungen getroffen hat, geht es an die konkrete Umsetzung der damit verbundenen Maßnahmen. Infolgedessen sind gerade für diese letzte Etappe viel Mut, Kraft und Ausdauer erforderlich. Alles auf einmal zu ändern, ist nicht jedem gegeben. Es wird daher eher ein schrittweises Vorangehen sein, das die jeweiligen Veränderungen nach sich zieht.

Wer sich eine Veränderung seiner homosexuellen Neigung hin zu einer reifen Heterosexualität wünscht, kann im Rahmen einer therapeutischen Arbeit sachkundige Hilfe erfahren. In vielen Fällen kann dadurch eine Abnahme der homosexuellen Gefühle erreicht und darüber hinaus eine heterosexuelle Anziehung entwickelt werden.

Wenn eine Verringerung der homosexuellen Empfindungen nicht oder in nur sehr geringem Ausmaß möglich ist, kann der Betroffene einen abstinenten Lebensstil wählen.

herzsticheEin gangbarer Weg