Klartext gefällig?

Über mich-Augenportrait der Autorin in nachdenklicher und zuhörender Haltung

Ich habe mit Gott gerungen

Geboren in den 1960-er-Jahren, wuchs ich in einer Großfamilie auf, in der drei Generationen unter einem Dach wohnten. Ich war das jüngste von fünf Kindern. Da meine Mutter den größten Teil der Sorge für alle im Hause tragen musste, konnte sie mir als Baby und Kleinkind leider nicht so viel Zeit und Zärtlichkeit geben, wie ich gebraucht hätte. So war ich darauf angewiesen, die so dringend benötigte Liebe und Zuwendung bei anderen Familienmitgliedern zu suchen und hing besonders an meinem Vater. Um ihm wichtig zu sein und mir seine Aufmerksamkeit zu verschaffen, begann ich schon recht früh, sein männliches Verhalten nachzuahmen, mich bald immer mehr als Junge zu fühlen und auszudrücken. Mit einer weiblichen Identität, die ich durch meine Mutter kennenlernte, konnte und wollte ich mich nicht identifizieren. Dadurch kam es in mir zu einer Identitätskrise.

Dieser Konflikt verstärkte sich besonders in der Pubertät durch negative Erfahrungen mit jungen Burschen und Männern, die mir entweder zu nahe kamen oder von denen ich, nachdem ich mein ganzes Vertrauen in sie gesetzt hatte, plötzlich und unerwartet im Stich gelassen wurde. Das bestärkte mich in meinen Haltungen und Festlegungen, hinkünftig Beziehungen besser nur mit weiblichen Personen einzugehen. Auf der Suche nach Liebe und Zuneigung verliebte ich mich daher in der Folge zunächst in gleichaltrige Mädchen und bald darauf in erwachsene Frauen.

Wie mir erst viele Jahre später bewusst wurde, suchte ich in den Frauen vor allem die mütterliche Wärme und Geborgenheit, die mir von Anfang an so sehr gefehlt hatten. Diese Mängel und emotionalen Bedürfnisse sexualisierten sich unbewusst in mir, und ich suchte deshalb Bindungen an Personen des gleichen Geschlechts.

 


Liebe verzweifelt gesucht

Obwohl ich in meiner Kindheit und Pubertät schon eine innige Beziehung zu Jesus Christus gehabt hatte, trat durch das Eingehen von festen lesbischen Beziehungen mein Glaubens- und Gebetsleben immer mehr in den Hintergrund. Da ich keineswegs einverstanden war mit der kirchlichen Lehrmeinung zum Thema Homosexualität, trat ich schließlich aus der Katholischen Kirche aus.

New York City Broadway hell erleuchtet bei Nacht

Eine lesbische Beziehung folgte der anderen, da ich nie wirkliche Erfüllung darin fand, sondern sogar immer tiefer verletzt und mit jedem Mal einsamer wurde. In meinem Beruf arbeitete ich sehr hart und schuf mir so die für mich wichtige finanzielle Unabhängigkeit. Jedoch kosteten mich Karriere und homosexueller Lebensstil auf Dauer viel Kraft. Der vergebliche Versuch, die dadurch entstandene Sinnleere und Einsamkeit durch viele Aktivitäten und Genießen füllen zu wollen, machte mich mit der Zeit krank und traurig. Zum ersten Mal hörte ich bewusst auf mein Gewissen, und mir wurde bewusst: Meine lesbischen Beziehungen konnten die existentiell wichtige Sehnsucht nach einem Leben in wahrhafter Liebe niemals erfüllen! Trotz dieser Erkenntnis änderte ich aber immer noch nichts. Als ich mit vierzig Jahren nach einer fatalen, sehr aufreibenden Beziehung einen Totalzusammenbruch erlebte, war meine Verzweiflung so abgrundtief, dass ich nicht mehr weiterleben wollte.

In dieser äußersten Not kapitulierte ich und verzichtete darauf, weiterhin mein Leben selbst in der Hand halten zu wollen und nach meinen eigenen Vorstellungen um Liebe und Glück zu kämpfen. Und in diesem Moment kam mir Jesus in den Sinn, der mir in meiner Kindheit und Jugend so vertraut gewesen war. Einige gute Erinnerungen schlummerten noch in meinem Herzen, und so bat ich ihn um Hilfe. Wie als Antwort darauf ergab sich kurz danach eine Begegnung mit jungen begeisterten Katholiken, durch deren Glaubensfreude die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben und einer persönlichen Beziehung zu Jesus wieder in mir entfacht wurde.

 


Aufbruch in die Zukunft

Nun nahm ich mir Zeit zum Beten, zum Nachdenken in Stille und zu einem ehrlichen Rückblick auf mein Leben. Tagelang erforschte ich mein Gewissen, unter Tränen und Magenkrämpfen. Dabei wurde mir klar, dass ich mein ganzes Leben radikal ändern musste, um der Hoffnung nach Frieden, Lebensfreude und Lebenssinn eine Chance geben zu können. Dazu gehörte vor allem, meine homosexuelle Neigung nicht mehr auszuleben und einen sexuell abstinenten Lebensstil anzunehmen.

In einer umfangreichen Beichte konnte ich all das Erkannte und Bereute Jesus übergeben, und erfuhr im Austausch dafür seine Kraft und Gnade der Vergebung. Um Zentner leichter, trat ich wieder in die Katholische Kirche ein.

Diese Entscheidung für ein neues Leben nach dem Evangelium betraf sowohl mein inneres Wesen als auch die äußeren Umstände. Ich gab meine Karriere auf, verabschiedete mich schweren Herzens von all meinen Freunden und brach auf, um allein und in Abgeschiedenheit mein Leben neu zu ordnen und mich auf Gottes Plan für meine Zukunft vorzubereiten.

 


Zeit des Ringens

Die nächsten Jahre waren notgedrungen sehr arbeitsintensiv. Durch den immensen Stress wuchs in mir ein großes Bedürfnis nach Ruhe und Stille, sodass ich für ein Ordensleben berufen zu sein glaubte. Nachdem ich einige Monate in einem Kloster verbracht hatte, erkannte ich jedoch meinen Irrtum und trat wieder aus. Mittlerweile schon Mitte vierzig, musste ich noch einmal von vorne beginnen.

Es folgten die schwersten Jahre meines Lebens. Die tiefen Verwundungen aus meiner Vergangenheit und die Folgen meines Lebenswandels waren noch nicht verarbeitet und schon gar nicht verheilt. Ich konnte keinen sinnerfüllenden Inhalt für mein neues Leben erkennen, fühlte mich total leer und einsam, körperlich und seelisch erschöpft und verbraucht. Eine dunkle Schwere erfasste meine Seele, und ich zweifelte an der Existenz eines göttlichen Planes für mein Leben.

Zuweilen stellte ich sogar die Sinnhaftigkeit meiner Umkehr in Frage. Das wurde vor allem dadurch begünstigt, dass sogar auch ranghohe Vertreter der Kirche durch ihren Irrtum, sich am Zeitgeist zu orientieren, in mir die falsche Hoffnung schürten, dass eine homosexuelle Neigung vielleicht doch gottgewollt und das Ausleben derselben somit frei von Sünde wäre.

Durch den Zeitgeist werden nämlich so viele Grundregeln des Lebens und der Moral, besonders in Bezug auf das Zusammenleben in Ehe und Familie, bis hin zur Zuordnung der eigenen Identität als Mann oder Frau in Frage gestellt. Dadurch fühlte auch ich mich in meiner Existenz und in meinem Grundvertrauen ins Leben zunehmend verwirrt und durcheinander gebracht, was mein Leben wesentlich erschwerte. Ich habe mit mir selbst, mit der Haltung anderer Menschen und mit Gott gerungen!

 


Jedem seine Schöpfungsordnung?

Ringübergabe während der TrauungszeremonieAuf der anstrengenden Suche nach Orientierung entdeckte ich auf ganz neue Weise, dass die Schöpfungsgeschichte in der Bibel die Erschaffung von Mann und Frau sehr detailliert schildert und Gott dabei von Anfang an die liebende und Frucht bringende Vereinigung zweier Menschen ausschließlich in der Kombination von Mann und Frau sieht und bestimmt. Auch Jesus nennt im Evangelium die Ehe zwischen Mann und Frau als die einzige von Gott vorgesehene Form dauerhafter Bindung zweier Menschen.

In einem mühsamen, jahrelangen Kampf setzte ich mich damit sowie mit wissenschaftlichen Studien auseinander und reflektierte immer wieder meine leidvolle Lebenserfahrung im Gebet. Schließlich konnte ich erkennen, dass der Mensch weder von Gott homosexuell geschaffen noch als homosexuell veranlagt geboren wird und dass all meine diesbezüglichen Zweifel einzig aus Trotz und Ungehorsam gegenüber meinem Gewissen und Gottes Geboten erwachsen waren.

 


Die Wahrheit setzt sich durch

Auch wenn ich meine lesbische Neigung nicht mehr auslebte, so quälte es mich dennoch, dass ich noch homosexuelle Empfindungen hatte. Zu meinem Glück ergab sich die Gelegenheit, eine geistige Therapie zur Heilung der schmerzhaften Erinnerungen aus Kindheit und Jugend in Anspruch nehmen zu können. In wöchentlichen Treffen arbeitete ich mehr als ein Jahr lang gemeinsam mit der therapeutischen Begleiterin die wesentlichsten Mangelerfahrungen und seelischen Verletzungen meiner Vergangenheit auf. Ein Schlüsselerlebnis stellte dabei die Erkenntnis dar, dass ich – aufgrund der Geschlechtsidentitätsverwirrung und einiger schon erwähnter traumatischer Ereignisse – bereits zu Beginn meiner Pubertät die Entscheidung für meine sexuelle Orientierung getroffen und bewusst eine lesbische Identität angenommen hatte. Und nun konnte ich die Chance nutzen, diese Entscheidung zu widerrufen.

Darüber hinaus war es notwendig, Gottes Angebot seiner Liebe und Gnade für mich anzunehmen sowie mir selbst und anderen Menschen zu vergeben. Somit konnte ich nach und nach Heilung der tiefen existentiellen Wunden und Befreiung von meiner homosexuellen Neigung erfahren.

Dieser Prozess erfolgte in mehreren aufeinander folgenden Schritten, wobei ich zuerst Gottes Schöpfungsordnung hatte verstehen und annehmen müssen, um schließlich zu neuer Liebe zu mir selbst, zum Nächsten und zu Gott befähigt zu werden und auch auf diesem Weg bleiben zu können. Seitdem habe ich keine homosexuellen Gefühle mehr.

 


Zu guter Letzt

Meine Umkehr erforderte viel Mut und ein ständiges Loslassen alter Gewohnheiten, Denk- und Fühlmuster. Immer wieder stürzte ich ab, ließ mich aber, dank der Gnade Gottes, niemals wieder auf eine lesbische Beziehung ein. Ohne meine Beziehung zu Jesus hätte ich das nicht geschafft.

Betende Hand mit Rosenkranz

 

Dabei haben mich die unzähligen Gebete, Taten und Opfer so vieler mich liebender und begleitender Menschen getragen. Ich bin ihnen allen sehr, sehr dankbar. Die Gebete und mein Glaube haben mich gerettet, denn sie haben mich immer wieder ein Licht sehen lassen. Ich bedarf ihrer auch weiterhin!!!

Die Anerkennung der Wahrheit über die göttliche Schöpfungsordnung, die bewusste, konsequente Entscheidung gegen das Ausleben meiner Homosexualität und die Bereitschaft, Gottes Heilsangebot anzunehmen, waren die einzigen Bedingungen für das Geschenk der Umkehr zu einem neuen Leben. Danke, Jesus!

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herzsticheIch habe mit Gott gerungen