Klartext gefällig?

Brennende Kerzen in der Grabeskirche von Jerusalem rufen Mach doch mal das Licht an

Mach´doch mal das Licht an

Was nützt jemandem eine Kerze in der Finsternis, wenn niemand da ist, der sie anzündet?

Mit diesen Worten ermunterte mich eine sehr liebe Ordensfrau, über das Geschenk meiner Bekehrung Zeugnis zu geben. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe, über meinen Weg als gläubige Homosexuelle in aller Öffentlichkeit zu berichten. Denn wenn man mal von einigen offenbar fehlgeleiteten „Persönlichkeiten“ absieht, ist es ehrlich gesagt alles andere als angenehm, im Internet seine intimsten Erfahrungen zu publizieren. Hinzu kamen noch eine Vielzahl von Zweifeln, ob „meine Geschichte“ überhaupt irgend jemanden interessieren könnte. Nun gut, schlussendlich haben die vielen und steten Bemühungen meiner mir so lieben Freunde gesiegt und so lasse ich mit dieser Website „die Hosen runter“…

Nachdem ich viele Jahre in lesbischen Beziehungen gelebt und mich dabei immer mehr von Gott und der Katholischen Kirche entfernt hatte, verlief mein Leben zunehmend katastrophal, was ich aber zunächst nicht wahrhaben wollte. Denn eifrig bemühte ich mich, meine Lebenslügen zu pflegen, damit mein Dasein erträglich schien. So war ich sehr lange unterwegs auf den Irrwegen selbst gebastelter und Zeitgeist-konformer „Schöpfungsvarianten“, die mich interessanterweise alle früher oder später in den Abgrund stürzten. Mit Abgrund meine ich hierbei nicht das Scheitern einer meiner Beziehungen, sondern eine mich schlichtweg überwältigende Sinnleere. Diese führte zu einem lähmenden Verharren im Alltagstrott verbunden mit einer stets wachsenden inneren Unruhe. Als nun eines Tages dieses auf Unwahrheit gebaute Lebenskonstrukt wie ein Kartenhaus zusammenfiel, hatte ich die Wahl, der Wahrheit ins Auge zu sehen oder ein neues Kartenhaus zu bauen. Ich entschied mich für die Wahrheit.

So nahm ich Gottes Einladung an, zu Ihm und Seiner Kirche zurückzukehren. Mit allem, was dazu gehört. Das war nicht gerade leicht. Denn mir wurde klar, dass ich unmöglich in meinem gewohnten Umfeld, vor allem in der Homoszene, bleiben konnte. Ich zog es vor, mein Leben komplett zu ändern und so musste ich mich von allem, was mir bisher lieb und teuer war, verabschieden: Freunde, Job, Wohnort und einiges andere mehr. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut, aber ich gestehe, dass das kein Spaziergang ist. Doch wer mit Gott geht, kommt immer sicher ans Ziel. Das Ziel besteht für mich darin, die tägliche Herausforderung anzunehmen, meine homosexuelle Neigung nicht mehr auszuleben. Diese vor nunmehr 10 Jahren aus ganzem Herzen getroffene Entscheidung hat von mir alles abverlangt. Dieses Alles bestand im Loslassen und Aufgeben meines bisherigen Lebensstils und dem Sich-Einlassen auf ein Leben in Keuschheit. Erst dadurch war es möglich, dass ich von Gott erneuert werden konnte und mich fortan als katholische Homosexuelle auf die Suche nach einem erfüllten Leben begab.

Nun gut, das mag zwar erfreulich sein, aber deshalb muss man ja nicht gleich eine Website erstellen. Dennoch scheint es mir wichtig, meine Erfahrungen mit anderen, d.h. homosexuell empfindenden, gläubigen Menschen zu teilen.

Um hier gleich etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: weder kann noch will ich irgendjemanden „bekehren“, das sei dem Lieben Gott überlassen. Noch will ich eine Diskussionsplattform über „Homosexualität und ihre Akzeptanz in Kirche und Gesellschaft“ anbieten. Auch ist es mir fremd, irgendjemanden besserwisserisch zu belehren oder hier auf subtile Art den Moralapostel zu mimen. Aber eines möchte ich ganz gewiss: Ich möchte all diejenigen homosexuell empfindenden Menschen ansprechen, die – sei es vielleicht noch tief verschüttet oder schon ganz offenbar – in ihrem Innersten spüren, dass sie mit dem Ausleben ihrer Homosexualität auf dem Holzweg sind. Ich bin überzeugt davon, dass es derer sehr viele gibt. Sie alle möchte ich einladen und ermutigen, genau hinzusehen und umzukehren. Es geht mir keineswegs darum, meinen persönlichen Lebensweg auf andere Menschen zu projizieren, sondern lediglich anhand meiner eigenen Erfahrungen eine Art Wegweiser als Hilfestellung anzubieten, wie sich Glaube, Homosexualität und Kirche vereinbaren lassen.

Mein Lebensweg ist reichlich gepflastert mit Diskriminierungen, die ich zunächst als Lesbe, später dann als nicht mehr praktizierende Lesbe erfahren musste, außerhalb wie innerhalb der Kirche. Bei alledem durfte ich die barmherzige Liebe Jesu Christi erfahren und erkennen. Diese „Frohe Botschaft“ kann, will und darf ich nicht für mich behalten. Deshalb verstehe ich mich als „Brückenbauer“ zwischen beiden Ufern. Gebe Gott uns allen Sein Licht!

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